Freitag, 10. Februar 2023 | 19:00 - Film und Gespräch im Rahmen der Woche des Gedenkens

… bis die Gestapo kam – Das ‚Chinesenviertel‘ in St. Pauli 

Ein Film von Bertram Rotermund und Rudolf Simon, Moderation Lars Amenda

Sucht man nach den Anfängen chinesischen Lebens in Hamburg, so findet man zunächst nicht mehr als eine Gedenktafel in der Schmuckstraße auf St. Pauli. Mitten auf dem Hamburger Kiez, zwischen Talstraße und Großer Freiheit gab es bereits in den zwanziger Jahren ein ‚Chinesenviertel‘. Nach dem Ersten Weltkrieg hatten sich dort einige hundert Chinesen, meist ehemalige Seeleute, niedergelassen mit kleinen Läden, Wäschereien und Gaststätten im Souterrain. In Altona gehörten die Chinesen zum internationalen Schmelztiegel des bunten Hafenviertels.

Von den Behörden wurden sie meist distanziert als fremdartig oder gar bedrohlich wahrgenommen: Gerüchte von Opiumhöhlen und zwielichtiger Unterwelt kursierten, Polizeiaktionen und rassistische Diskriminierung waren an der Tagesordnung, auch wenn die exotisch fremde Atmosphäre der ‚Chinesen-Gasse‘ manchen St.-Pauli-Flaneur faszinierte.

Während des Dritten Reiches gerieten die Hamburger Chinesen zunehmend in den Blick der Behörden, wurden verfolgt, interniert oder ausgewiesen. Am 13. Mai 1944 führte die Gestapo schließlich eine ‚Chinesenaktion‘ durch, bei der 130 chinesische Männer festgenommen, misshandelt und monatelang im Arbeitserziehungslager ‚Langer Morgen‘ im Hamburger Hafen inhaftiert wurden.
Das war das Ende des ‚Chinesenviertels‘ auf St. Pauli.

Der Film begibt sich auf Spurensuche und spricht mit vielen Zeitzeug:innen, die sehr eindrücklich von ihren Erlebnissen und Erinnerungen an die chinesische Community in St.Pauli während der Kriegs- und Nachkriegszeit berichten.

Die Wiederkehr des Jahrestages der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau am 27. Januar ist Anlass für die Veranstaltungsreihe Woche des Gedenkens im Bezirk Hamburg-Nord. Sie steht für das gemeinsame Gedenken an die Opfer der Shoah und gegen das Vergessen der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.

€ 5,-

Die Veranstaltung ist eine Kooperation von Geschichtswerkstatt Eppendorf und KUNSTKLINIK im Rahmen der Woche des Gedenkens.

Foto: B. Rotermund